Ein halbes Jahrhundert Ratinger Jonges

Wie haben die Ratinger Jonges zusammengefunden? Wie entstand dieser traditionelle Verein? Alteingessene Ratingen fanden sich Mitte der 50er Jahre erstmals zusammen – mit dem Anliegen, etwas für die Stadt zu tun, die Mundart und die Tradition zu pflegen. Nach entsprechenden Vorbereitungen fand am 11. Februar 1957 die Gründungsversammlung der Ratinger Jonges als Verein statt. Der damals beschlossene Stammtisch wurde „Runder Tisch“ genannt. Zweimal wöchentlich traf man sich in der Gaststätte „Flammer” am Markt. Bis heute ist diese Einrichtung an gleicher Stätte Tradition. Name der Gaststätte und Zeitpunkt haben im Laufe der Jahre gewechselt, aber man traf sich allwöchentlich immer noch an der gleichen Stelle. Am „Runden Tisch“ wurde die Gelegenheit genutzt, lokale Aktualitäten zu diskutieren und Dönekes auszutauschen. Nach anfänglicher euphorischer Vereinsarbeit wurde es etwas still um die Jonges, sieht man vom Stammtisch ab. 1961 erfolgte erstmalig die Ausgabe von Mitgliedskarten auf der Jahreshauptversammlung. Die kommunale Neugliederung 1975 und das 700-jährige Stadtjubiläum 1976 brachten neuen Schwung. Die neu hinzu gekommenen Stadtteile wirkten belebend und brachten als Nebeneffekt eine Rückbesinnung auf die heimatliche Tradition ganz im Sinne der Ratinger Jonges.

Der 1974 neu gewählte Baas Karl Hoberg warb mit großem Einsatz eine Vielzahl neuer Mitglieder und stärkte die Stellung der Jonges im Bewusstsein der Ratinger Bürgerschaft. Der erste Baas der Vereinsgeschichte, Josef Nybelen, wurde zum ersten Ehrenvorsitzenden ernannt. Der persönlichen Freundschaft von Karl Hoberg mit Bruno Lambart war es zu verdanken, dass das 1974 eingeführte Biwak der Jonges im Innenhof der Wasserburg Haus zum Haus stattfinden konnte. Gleichzeitig konnten die Jonges das Dachzimmer des nördlichen Eckturms der Wasserburg für ihre Vorstandsarbeit beziehungsweise für Archivzwecke nutzen. Das Vereinsleben erfuhr neue gestalterische Elemente, die auch heute noch von den Jonges gepflegt werden. Das 25-jährige Bestehen des Vereins feierten die Jonges am 09. Mai 1982 mit einer festlich gestalteten Matinee im Stadtmuseum mit Bürgermeister und Jongesmitglied Ernst Dietrich als Festredner. Das schmiedeeiserne Luerkästke am Vereinslokal wurde 1985 angebracht und bietet seither Informationen über das Vereinsleben. Gesundheitliche Gründe zwangen Baas Hoberg 1986, sein Amt aufzugeben.

Die Nachfolge trat Heinz Beyer an. Heinz Beyer war es zu verdanken, dass Ratinger Bürgerinnen und Bürger, die sich um die Dumeklemmerstadt verdient gemacht haben, eine angemessene, hochrangige Ehrung erfahren können. Alljährlich wird seit 1986 die Dumeklemmerplakette verliehen.  Eine der herausragenden Leistungen der Jonges war Mitte der achtziger Jahre die Restaurierung der Hauser Kapelle. Damit bewiesen die Jonges erstmalig großes bürgerliches Engagement für den Erhalt eines Denkmals, für das sie auch anschließend das Patronat übernahmen. Die Restaurierung wurde mit einem ökumenischen Gottesdienst gefeiert. Alljährlich treffen sich seither die Jonges zum Gottesdienst in der Kapelle.

1987 stand ganz im Zeichen des 30-jährigen Vereinsjubiläum mit einer Vorstellung der älteren Ratinger Wirtschaftsgeschichte im Foyer des Rathauses und einer Festveranstaltung in der Stadthalle. Ein Versammlungsbeschluss der Jahreshauptversammlung hielt fest, dass die Jonges sich zukünftig duzen. Das Jahresprogramm wurde weiter angereichert und qualitativ verbessert. 1988 wurde der „Närrische Frühschoppen” am Karnevalssamstag gegründet. Herausragende Akzente bildeten auch die sachkundigen Führungen von Heinzreiner Klinkenberg im Rahmen von bemerkenswerten Exkursionen. Mit seinem Biwak wechselte der Verein zum Schimmershof von Hanno und Christa Paas. 1990 erhielten die Jonges die Gemeinnützigkeit zugesprochen. Im selben Jahr schulterten sie eine weitere Restaurierung eines wichtigen Ratinger Denkmals mit dem Porticus auf dem Ehrenfriedhof. Die notwendigen Arbeiten wurden mit Unterstützung des Rheinischen Amtes für Denkmalpflege ausgeführt.

1991 stieg die Mitgliederzahl auf über 500. Für die Vereinsarbeit und Außendarstellung tragen die Jonges seitdem ein Vereinsabzeichen. 1992 wurde die spätmittelalterliche Legende des Ratinger Schweinehirten als Denkmal in Auftrag gegeben. Hierbei ist die in den  Kriegswirren von den Bürgern aus Angst vor Plünderung in den umliegenen Wäldern vergrabene größte Glocke von St. Peter und Paul die "Märch" wieder zu Tage gefördert worden. Eine von dem Düsseldorfer Künstler Ulrich Grenzhäuser entworfene Bronzeplastik wurde am 23. Oktober 1993 an der Originalstätte des Verkeshirdenturmes enthüllt. Die Wartezeit für eine Mitgliedschaft bei den Jonges wurde 1994 von 20 auf 10 Jahre verkürzt. 1995 wurde die Montagswandergruppe gegründet. 1996 war ein ereignisreiches Jahr: die Gründung des Mundartkreises, die Gründung eines Exkursionkreises Hören-Sehen-Verstehen, der sich im industriellen Alltagsumfeld der Heimatstadt umsah und das Projekt der vier Ratinger Stadttore als Reliefplatten die an  den ursprünglichen Standorten in die Straßenoberfläche eingebracht wurden. 1997 feierte man das 40-jährige Vereinsjubiläum. In der Festveranstaltung würdigte man in einer von Heizreiner Klinkenberg gehaltenen Laudatio die großen Leistungen des Vereins in vier Jahrzehnten. Die erste Mundartmesse wurde in der Kirche Herz-Jesu gefeiert. Das neugeschaffene stadtgeschichtliche Relief fand am Bürgerhaus den richtigen Platz. Das Jongesschießen auf dem Bruderschaftshochstand wurde erstmalig durchgeführt. 1998 erschien die erste Ausgabe der Jonges-Zeitschrift „Stadtlaterne”. Auf der Bechemer Straße wurde mit einer Bodenplatte an die frühere Synagoge erinnert. 1999 erhielten die Jonges ein Vereinszimmer in den Räumen der Minoritenschule. 2000 und in den Folgejahren beteiligte sich der Verein an den Kosten für die Blumenampeln in der Innenstadt.

2001 folgte Karl-Heinz Dahmen als Baas Heinz Beyer. Karl-Heinz Dahmen setzte erfolgreich die Arbeit von Heinz Beyer fort. Als Beitrag zum 725-jährigen Stadtjubiläum organisierten die Jonges eine ganztägige für die Teilnehmer kostenlose Schlösserfahrt in und um Ratingen. 2003  wurde bereits die 100. Montagswanderung durchgeführt.

2004 hielt auch bei den Jonges das elektronische Zeitalter Einzug. Der Verein richtete seine eigene mit aktuellen Vereinsnachrichten versehene  Internetseite ein.

Ein beeindruckendes Projekt zur Information und Stadtverschönerung als Stiftung der Jonges sind 40 Informationstafeln an denkmalgeschützten Gebäuden in der Innenstadt. Die Stelen, die Bürgermeister Wolfgang Diedrich mit den Informationstafeln der Öffentlichkeit übergab, bieten Erläuterungen für einen historischen Rundgang durch die Dumeklemmerstadt.

2005 trat Georg Hoberg als fünfter Baas in der Vereinsgeschichte die Nachfolge von Karl-Heinz Dahmen an. Die Zahl der Mitglieder wuchs auf 780. Das erste Ratinger Mundartwörterbuch von „Aadelskarr bes Zoppemetz” erschien. Der Verein unterstützte den Kinderschutzbund, um nur ein Projekt seines vielfältigen sozialen Engagements zu nennen. 2006 beschloss der Verein die Restaurierung des "Dicken Turms". Ein gewaltiges Vorhaben. 2007, das Jahr ihres 50-jährigen Jubiläums, hatten die Jonges einiges vor. Pünktlich zum Jubiläum erschien die Festzeitschrift „50 Jahre Ratinger Jonges”. Am 22. September fand in der Stadthalle der große Galaball anläßlich ihres Jubiläums statt. Der Mundartgottesdienst brachte eine Kollekte von EUR 1000,00 ein und wurde dem Sozialdienst katholischer Frauen gespendet. Die Sanierungsarbeiten am „Dicken Turm” waren in der Endphase. Das Ergebnis konnte sich sehen lassen. Als offenes Denkmal und als Geschäftszimmer des Vereins soll der Turm zukünftig genutzt werden. Wohl nie während seiner fast 600-jährigen Geschichte war der Dicke Turm in einem so hervorragenden Zustand. Bereits am 06. Mai 2009 fand in Gegenwart vieler Ehrengäste die offizielle Schlüsselübergabe durch den Bürgermeister an die Ratinger Jonges statt. Nächste Ziele hat der Verein sich schon gesetzt. Baas Georg Hoberg konnte inzwischen das 800 Mitglied begrüßen.

Bürgermeister a.D. der Stadt Ratingen, Wolfgang Diedrich, sagte in seinem Grußwort an die Ratinger Jonges anläßlich ihres 50-jährigen Bestehens: „Wenn es die Ratinger Jonges nicht schon geben würde, müsste man sie umgehend erfinden.” Sie wären Anlaufstelle bezüglich Tradition, Heimatpflege, informative Reisen und Veranstaltungen und hätte außerdem integrierenden Charakter für alle Neubürger. Dem war nichts hinzuzufügen.