Kreuze der sieben Fußfälle

Ein Historischer Spaziergang – Hans Müskens ging mit den Ratinger Jonges den alten Bittweg rund um die Stadt.

 

Die Ratinger Jonges unternahmen unter Leitung von Hans Müskens einen historischen Spaziergang durch die Stadt. Besucht wurden die Wegkreuze und Kapellen, die seit Alters her zum „Bittweg der sieben Fußfälle gehören“, der hier in Ratingen, wie überhaupt im Rheinland, eine lange Tradition hat.

 

Hans Müskens erklärte zunächst einzelne Begriffe wie „Wegkreuz“, die Zahl Sieben und den „Fußfall“. Wegkreuze sind Erinnerungszeichen, Kennzeichen, Markierungspunkte, Ortsangaben, aber auch vor allem Zeugnisse des Glaubens der Vorfahren. Sie wurden als Hinweise auf das eigene Leben verstanden. Es ist der Menschen, der sich auf dem Weg befindet und sich seiner Herkunft und seines Lebenszieles bewusst werden soll, wenn er an einem Kreuz vorübergeht.

 

Die Zahl Sieben ist eine heilige Zahl. Erinnert sei an das „Siebentagewerk“ der Schöpfungsgeschichte, die sieben Worte Christi am Kreuz, sie sieben Sakramente in der katholischen Kirche. Letztendlich ist es auch der „siebente Himmel der Liebe“, der in dieser Zahl mitschwingt.

 

Fußfälle sind Zeichen des Gebetes, der Demut. Der Mensch macht sich klein vor Gott. Fußfälle werden sie aber auch darum genannt, weil sie an den Pilgerweg, den Bittweg nach Rom erinnern und damit an die sieben Hauptkirchen, die der Pilger noch heute besucht. Als Erinnerung baute man in der Heimat sieben Stationen und ermöglichte denen, die nie nach Rom kamen, so ein Stück der „ewigen Stadt“ zu erleben.

 

Wer den traditionellen Weg der sieben Fußfälle hier in Ratingen nachgeht, bemerkt, dass die Stationen alle um die Stadt herum lagen. Sie waren außerhalb der Stadtmauer. Der Mensch, der sich in früherer Zeit aus dem Schutz der Stadt hinaus begab, stellte sich in besonderer Weise unter den Schutz Gottes. Er „markierte“ den Weg mit dem Zeichen des Glaubens. Auf der Wanderung fühlte er sich unter diesem Kreuzzeichen sicher. Ganz bewusst gingen die Menschen aber auch diesen Bittweg, um für einen kranken Nachbarn zu beten oder für seine gute Sterbestunde.

 

Die Stationen der sieben Fußfälle waren darüber hinaus Orte der inneren und äußeren Sammlung, der Meditation und des Gebetes für die Pilger, die von weither kamen, um ein Heiligtum in weiter Ferne zu besuchen und hier eine Rast einlegten.

 

Sieben Stationen

 

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Wer heute den Bittweg geht, findet das erste Kreuz im Schatten des großen Turmes von St. Peter und Paul direkt hinter dem Bürgerhaus. Früher stand das barocke Steinkreuz am Düsseldorfer Tor. Es wurde nach dessen Abriss an die Ecke Düsseldorfer-/Gartenstraße versetzt. Beim Bau des Kaufhauses bekam es wiederum einen neuen Standort, bis es schließlich auf dem Kirchplatz einen angemessenen Platz gefunden hat.

Das zweite Kreuz, ebenfalls ein Steinkreuz aus der Mitte des 18. Jahrhunderts, stand früher in der Nähe des Obertores und dann auf der Hochstraße. Nach dem zweiten Weltkrieg kam es zunächst in den Schwesterngarten des alten Krankenhauses. Heute hat es einen würdigen Platz im Patientengarten des St. Marien-Krankenhauses gefunden. Jedes Jahr beginnt hier zum Fronleichnamsfest die Stadtprozession.

Das dritte Kreuz ist eine Neuschöpfung und ersetzt ein altes Holzkreuz, das Ecke Rosen- /Brückstraße stand. Das neue Kreuz, von der Ratinger Künstlerin Lisa Lepper-Behl gestaltet, ist zeichenhaft ein Stück alter Ratinger Geschichte. Die drei aufeinander getürmten Blöcke waren nämlich ursprünglich Fundamentsteine in der Fabrik Cromford. Der Kalkstein stammt aus dem Steinbruch am „Schwarzen Loch“.

Das vierte Kreuz befindet sich in der Kreuzkapelle, dem sogenannten „Heiligenhäuschen“ an der Kreuzstraße/ Ecke Brückstraße. Es wurde am Ende des 30jährigen Krieges in der Hoffnung auf einen friedvollen Neubeginn erbaut.

Das fünfte Kreuz steht fast noch genau an dem Ort, wo es ursprünglich aufgestellt wurde. Es ist das „Steinerne Kreuz“ an der Mülheimer Straße / Ecke Kreuzstraße. Früher hatte das Barockkreuz einen altarartigen Umbau. Zu entziffern ist die alte Inschrift: „Verehr es Kreutz, o Sünder meyn, / wan du gehest alhie vorbey. / Bedenck, wie der Erlöser deyn / Vör dir am Kreutz gestorben sey.“

Die sechste Station auf dem Bittweg ist das „Hauser Kapellchen“, die von den Besitzern der Burg Haus zum Haus als Burgkapelle errichtet wurde. Der barocke Altar der hl. Barbara stand früher in der Pfarrkirche St. Peter und Paul. Ein altes Altarkreuz erinnert an die ursprüngliche Tradition.

Das siebte Kreuz ist verschwunden. Es war ein Bildstock an der Ecke Hauser Ring / Lintorfer Straße, der 1913 von einem durchgehenden Fuhrwerk zerstört worden sein soll. Bei dem Unfall haben zwei Kinder den Tod gefunden, als sie sich hinter dem Bildstock in Sicherheit bringen wollten, so die Überlieferung. Um beim Bittgang die Zahl Sieben zu erreichen, wurde das alte Friedhofskreuz auf dem Ehrenfriedhof ausgewählt. Beim Bau des Portikus, der das Kreuz umrahmt, wurden Steine einer Kapelle verwendet, die sich früher auf dem Marktplatz befand. Um dieses Kreuz herum finden sich einige alte Grabsteine, u.a. von einem Kind, das bei einem Unfall ums Leben gekommen ist.

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Der Weg findet sein Ende unter dem großen „Missionskreuz“ an der Nordseite von St. Peter und Paul.